Globales
Geldvermögen wächst trotz Corona-Krise
Wien (APA, 23. 9. 2020)
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Österreich
bleibt 16.-reichstes Land der Welt
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2019
erreichte der finanzielle Wohlstand seinen Höhepunkt
·
Schere
zwischen reichen und armen Ländern öffnet sich weiter
Das globale Geldvermögen
verzeichnete trotz COVID-19-bedingter Rezession der Weltwirtschaft im ersten
Halbjahr einen leichten Anstieg um 1,5 Prozent. Dies geht aus dem aktuellen
Allianz Global Wealth Report hervor, der alljährlich Geldvermögen und
Verschuldung der privaten Haushalte in fast 60 Ländern analysiert. Zu verdanken
sei dies den geld- und fiskalpolitischen Hilfspaketen der Zentralbanken und
Finanzbehörden auf der ganzen Welt, die das Vermögen der Haushalte vorerst vor
dramatischeren Folgen der Krise bewahrte. Haupttreiber der Entwicklung sind die
Bankeinlagen, die dank großzügiger öffentlicher Unterstützungsprogramme und
vorsorglicher Ersparnisbildung um kräftige 7,0 Prozent zunahmen.
„Im Moment hat die
Geldpolitik die Lage gerettet“, erklärte Ludovic Subran, Chefökonom der
Allianz, anlässlich der Veröffentlichung des Reports. „Aber wir sollten uns
nichts vormachen. Null- und Negativzinsen sind ein süßes Gift. Sie untergraben
die Vermögensbildung und verschärfen die soziale Ungleichheit, da
Vermögenseigentümer satte Mitnahmegewinne einstreichen können. Das ist nicht
nachhaltig. Den Tag zu retten ist nicht dasselbe wie die Zukunft zu gewinnen.
Dafür brauchen wir mehr denn je Strukturreformen nach COVID-19, um die
Grundlagen für ein inklusives Wachstum zu schaffen“, so Subran.
Österreich: 10er-Jahre
endeten mit Rekordwachstum
„In Österreich, das nach wie
vor auf Rang 16 der reichsten Länder der Welt steht, wuchs das Geldvermögen der
Haushalte in den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres um 0,5 Prozent“,
berichtet Martin Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in
Österreich. Zuvor hatte das vergangene Jahrzehnt mit einem Rekordwachstum
geendet. „2019 stieg das Brutto-Geldvermögen hierzulande um 6,2 Prozent, etwas
überraschend getrieben von Versicherungen und Pensionen, die um 7,9 Prozent
zulegten, sowie Wertpapieren (+ 7,4 Prozent). Des Österreichers liebstes Kind,
die Bankeinlagen mit einem Portfolioanteil von 41 Prozent, wuchs wie in den
Vorjahren konstant um 4,2 Prozent“, so Bruckner. Auch das Nettofinanzvermögen
erhöhte sich um 7,3 Prozent, so stark wie schon seit 2009 nicht mehr. Die
Verbindlichkeiten stiegen im Vorjahr indes um 3,3 Prozent und damit einen
Prozentpunkt über dem langjährigen Durchschnitt. Von einem Kreditboom ist
Österreich dennoch weit entfernt: Die Schuldenquote verharrte bei 50 Prozent
und wird in Europa nur noch von Irland unterboten.
2019: Internationales
Boomjahr in allen Anlageklassen
Auch international markierte
das Jahr 2019 den Höhepunkt des Wohlstands. „Weltweit stieg das
Brutto-Geldvermögen um 9,7 Prozent, trotz sozialer Unruhen, eskalierender Handelskonflikte
und industrieller Rezession“, berichtet der Allianz Vermögensreport. Als die
Zentralbanken einen Kursschwenk hin zu einer breit angelegten geldpolitischen
Lockerung vollzogen, führte dies zu einem kräftigen Plus von 25 Prozent der
Aktienmärkte, losgelöst von den Fundamentaldaten. Letztlich verzeichneten 2019
alle Anlageklassen ein Wachstum, das deutlich über dem langjährigen
Durchschnitt seit der Finanzkrise lag. Allerdings macht der Vermögensreport auf
ein Faktum aufmerksam: Nicht die Schwellenländer dominierten im vergangenen
Jahr das Vermögenswachstums-Ranking, sondern Nordamerika und Ozeanien. Die
Reichen wurden also reicher, der Aufholprozess ärmerer Länder geriet ins
Stocken.
Wachsendes
Wohlstandsgefälle
Während sich das
Wohlstandsgefälle zwischen reichen und armen Ländern wieder vergrößerte, sank
die Zahl der Mitglieder der globalen Vermögensmittelklasse innerhalb eines
Jahres von über 1 Milliarde auf knapp 800 Millionen Menschen. 1 Prozent der
Menschen besitzt nun knapp 44 Prozent des gesamten Geldvermögens, die reichsten
10 Prozent kommen auf 84 Prozent des vorhandenen Vermögens. „Es ist ziemlich
beunruhigend, dass sich die Kluft zwischen reichen und armen Ländern wieder
vergrößert hat, noch vor COVID-19″, heißt es im Allianz Report. Denn die
Pandemie werde sehr wahrscheinlich die Ungleichheit weiter steigern, da sie
nicht nur einen Rückschlag für die Globalisierung darstellt, sondern auch das
Bildungs- und Gesundheitswesen, insbesondere in Ländern mit niedrigem
Einkommen, erschüttert.
Die komplette Studie
„Allianz Global Wealth Report 2020“ finden Sie hier:
https://www.allianz.com/de/economic_research.html